Vergiss bei deinem Aufstieg nicht dein menschliches Selbst

Lieber Leser, liebe Leserin,

Wünscht du dir auch die Erleuchtung, den Aufstieg, ein Leben in einem neuen göttlichen Bewusstsein?

 

Was versprichst Du dir davon?

Träumst du von einem sorgenfreien Leben in Fülle und Reichtum?

Möchtest Du glücklich sein, gesund sein, unabhängig sein, frei sein?

 

Ich glaube, fast jeder verfolgt auf seinem Weg zum Aufstieg auch diese Ziele.

Das menschliche Leben soll besser werden.

 

Ein verständlicher Wunsch.

Oft stelle ich mir vor, wie beschwerlich das Leben noch vor 100  Jahren für einen Großteil der Menschen auf Erden gewesen  ist. Im Vergleich dazu, lebe ich jetzt und heute in himmlischen Verhältnissen. Vor 100 Jahren hatte nur eine kleine Elite das Glück, über Freizeit zu verfügen, eine warme, großzügige Wohnung zu besitzen, immer ausreichend zu Essen zu haben.

Die meisten haben nur davon geträumt, wenn überhaupt.

 

Dennoch haben sich die Wünsche der Menschen nicht gravierend verändert.

Noch immer sehnen sie sich nach Wohlstand, nach Fülle, nach Sicherheit.

 

Ein Sinnbild für ein glückliches und freies Leben ist für mich das Bild, das Jesus-Christus beschrieben hat, als er von den Vögeln sprach.

"Sie säen nicht, sie ernten nicht und dennoch ernährt sie der himmlische Vater."

Ein Vogel beginnt seinen Tag nicht mit der Suche nach Nahrung sondern mit einem Lied. Er lebt in dem Vertrauen, dass immer für ihn gesorgt ist. Er macht sich keine Sorgen um seine Existenz. Er lebt einfach.

 

So ähnlich stelle ich mir das Leben eines Aufgestiegenen vor.

 

Allerdings sind wir Menschen keine Vögel. Wir haben die Fähigkeit zu denken, über unser Leben und unsere Lebenserfahrungen zu reflektieren. Wir erinnern uns an frühere, vielleicht bittere,  Erfahrungen, wir wissen, dass das menschliche Leben auf Erden endlich ist. Und deshalb ist es auch gefährdet und nicht sicher.

Das genau hat uns dazu angetrieben, das Leben auf Erden immer angenehmer, sicherer und komfortabler zu gestalten.

Es ist dem Menschen ein tiefes Bedürfnis, Sicherheit und Wohlstand in seinem Leben zu erschaffen.

Dabei gilt sein Bestreben auch immer der Sorge für die Zukunft.

 

Es scheint also so zu sein, dass es dem Menschen niemals gelingen wird, so sorgenfrei  und glücklich zu leben, wie die Vögel.

 

Dennoch möchte ich an diesem Bild festhalten.

Ich bin davon überzeugt, dass wir in ein solches Leben finden können!

 

Ein solches  Leben ist getragen von  absolutem Vertrauen.

 

Aber worauf soll ein Mensch vertrauen?

 

Die Menschheit befindet sich zur Zeit in einer ihrer größten Vertrauenskrisen.

Wir haben Angst um die Stabilität des Euro, wir haben Angst um die Stabilität der europäischen Wirtschaftsunion.

Wir stecken noch immer in einer europäischen Finanzkrise. Die Kreditinstitute, die nur existieren konnten und können, wenn ihnen das entsprechende Vertrauen entgegengebracht wird, haben genau dies bei ihren  Kunden eingebüßt. Und auch das Vertrauen der Banken untereinander hat stark nachgelassen, was man an der Zunahme der Einlagen bei der EZB feststellen kann. 

Die europäische Finanzkrise ist eine Vertrauenskrise.

 

Und wir sind uns auch unseres Wohlstandes nicht mehr sicher. Ein Wohlstand, von dem wir immer glaubten, er basiere auf unserer tollen Arbeits- und Wirtschaftsleistung.

Flüchtlinge drängen in das reiche Europa.

Sie setzen alles aufs Spiel, um hierher zu kommen. Leben oder Sterben. Sie glauben nicht mehr an ein Leben in ihren Heimatorten, deshalb sind sie zu allem bereit.

Das gefährdet unseren Wohlstand.

 

Worauf soll der Mensch vertrauen? Worauf kann er noch vertrauen.

Mit der Finanzkrise haben viele Sparer ihre Vorsorge für das Alter verloren.

Spareinlagen sind nur noch sicher, wenn sie keine Rendite mehr bringen.

Die  gesetzliche Altersvorsorge verspricht ebenfalls keine Sicherheit im Alter mehr.

 

Das Leben ist unsicher geworden.

 

Und dies geschieht aus einem guten Grund.

 

Die Menschheit erwacht, es ist ihr Wunsch zu erwachen.

 

Was bedeutet Erwachen?

Beim Erwachen geht es darum, sich seiner selbst bewusst zu werden. Im Erwachensprozess fragt sich der Mensch, wer er eigentlich ist, was dieses Leben überhaupt soll, worauf er vertrauen kann.

Dies wird unter anderem da durch angestoßen, dass das Leben seine Pseudosicherheit verliert. 

Wenn  ich mich nicht mehr auf die äußere Welt verlassen kann, dann bleibt mir nur noch, mich mir selbst zuzuwenden.

 

Und in der Tat können wir wahre Sicherheit nur in uns selbst finden.

 

Wir sind mehr als dieser kleine Mensch.

Wir sind auch Gott.

 

Erleuchtung bedeutet genau diese Entdeckung.

 

Ich bin nicht nur dieser kleine hilflose Mensch.

 

Da gibt es noch etwas!!

 

Da gibt es noch etwas zu entdecken.

 

Das kleine  menschliche Selbst hat sich nur um sich selbst gedreht. Es kennt nur das begrenzte Leben des Menschen.

Es glaubt nur an dieses eine Leben, es glaubt nur an sich  und  an die Endlichkeit.

Im Erwachensprozess wird genau das in Frage gestellt. Da nagt auf einmal eine Unzufriedenheit in dem Menschen, die sich nicht mehr einfach mit einem Urlaub, Einkaufsbummel oder  einem neuen Auto zufrieden stellen lässt.  Da stellt sich die Frage, ob das schon alles sein soll, ob es da nicht noch etwas mehr geben müsste.

Das Leben und das Streben des Menschen stoßen an ihre Grenzen.

 

Das bedeutet es, zu erwachen.

 

 

Und dann geht es los. Der Mensch macht sich auf die Suche nach Antworten.

Mittlerweile sind sehr, sehr viele Menschen auf diese Suche nach sich selbst gegangen.

Die Esoterikbranche boomt.

Und sie verspricht das bessere Leben. Sie verspricht Gesundheit, Zufriedenheit und Glück. Sie verspricht dir, dass du alles im Griff haben wirst, nie mehr leiden musst, immer Boss in deinem Leben bist.

Das ist es genau, wonach der Mensch sich sehnt. Der Mensch kann nicht anders, er wünscht sich Wohlstand, Fülle und Gesundheit. Er wünscht sich glückliche Beziehungen, in denen er immer verstanden wird. Er wünscht sich Wertschätzung und Anerkennung.

 

Aber so funktioniert das mit dem Aufstieg nicht.

Darum geht es nicht.  Die Göttlichkeit, die von uns entdeckt werden will, sie ist ganz einfach. Sie braucht keine Anerkennung im Außen, sie ist mit sich selbst zufrieden.

Und sie ist auch nicht dafür da, uns das Leben abzunehmen oder leichter zu machen.

Wir, die Menschen bleiben verantwortlich!!

Es liegt an uns. Wir sind gefordert.


Nur wer sich und sein Mensch-Sein akzeptiert, voll und ganz annimmt, der kann den Gott in sich entdecken.

 

Annehmen bedeutet, den Kampf aufzugeben. Den Kampf gegen sich selbst, gegen seine eigenen Unzulänglichkeiten.

 

Aufstieg bedeutet in erster Linie, sich selbst anzunehmen.


Der Mensch, das Mensch-Sein gehört zum Aufstieg dazu. Wir dürfen uns selbst nicht verlassen beim Aufstieg.

Die Ängste und Bedürfnisse des Menschen dürfen nicht einfach übergangen werden. Sie gehören zum Aufstieg dazu.

Der Weg zu Gott führt über das Mensch-Sein.

Wenn wir uns selbst erlauben, in unserer Angst, in unserer Unsicherheit, in unserer Überforderung zu sein, wenn wir unsere Grenzen akzeptieren, dann können wir sie überschreiten.


Denn in dieser Selbstannahme werden wir zum ersten Mal fähig, zu erkennen, dass wir mehr sind als dieses kleine menschliche Wesen.

 

Dann können wir unsere Göttlichkeit spüren, dann können wir sie erfahren.

 

Flüchte nicht mehr vor dem Menschen, der du bist, bleib bei ihm und du wirst deine Göttlichkeit erkennen.

 

Bleib bei dir, lass dich nicht im Stich!!

Bei der nächsten schwierigen Situation  in deinem Leben, erinnere ich daran!!

Nimm einen tiefen Atemzug und steh dir selbst bei, indem du einfach erlaubst.

Erlaube dir selbst, so ängstlich, so überfordert zu sein.

Erlaube der Situation, so zu sein, wie sie ist.

Bleib bei dir. Fliehe nicht.

Atme und erlaube.

 

Und stelle dich selbst auch dann nicht in Frage, wenn du auf einmal ruhiger wirst, obwohl die Situation noch immer bedrohlich wirkt. Das könnte deinen Verstand sehr in Wallung bringen. Erlaube auch das.

 

Atme und erlaube.

 

Nimm dein menschliches Selbst mit auf deine Reise des Aufstiegs.

Es gehört dazu!

Ohne den Menschen gibt es keinen Aufstieg!!


 Und ich glaube, dass wir dann auch so weit kommen können, ein Leben wie die Vögel zu führen.

In der Selbstannahme liegt die Chance, zu erkennen, dass du mehr bist, als dieses kleine menschliche Selbst. Du bist auch ein Schöpfer. Du kannst dir eine Welt erschaffen, in der du sorgenfrei genießen, erleben und erfahren kannst. Aber vergiss dein kleines menschliches Selbst nicht. Es gehört dazu, darf einen Platz in diesem neuen göttlichen Leben einnehmen, auch wenn es manchmal nur allzu menschlich ist.

 

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